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22.09.2019

Rundfunkaufnahmen in Baden-Baden

Der 20.7.1947 ist einer der erfolgreichsten Tage der Vereinsgeschichte überhaupt. Auf Einladung des Südwestfunks fuhr der Verein an diesem Tag nach Baden-Baden, um dort mehrere Lieder auf Band aufzunehmen.

Zu disem Ereignis sei das von Hans Prandhoff jun. geführte Protokollbuch zitiert:
"Nach einem gehörigen Imbiß, wobei das Ölen der Stimmen nicht vergessen wurde, begaben wir uns mit Herrn Förster hinab zum Funkhaus und standen bald vor dem Mikrophon des Südwestfunks. Bald war die erste Scheu vor diesem Marterinstrument überwunden und nach dem Kommando "bitte schneiden...!" begannen wir unsere Chöre. Ingesamt gelangten elf Lieder zur Bandaufnahme. In den Pausen wurden tüchtig saure Äpfel verdrückt und so mag ein Brocken unserem "Teddybär" wohl im Halse gesteckt haben, da er mitten bei dem "Mädle ruck, ruck, ruck" einen Hustenanfall bekam und wir von vorn beginnen mussten. Überrascht waren wir dann, als wir uns dann selbst abhören konnten und stolz besonders unser 1. Vorstand, dass es nun geschafft wäre und dass sich die oft mühevoll abgerungenen Stunden für die Proben reichlich gelohnt haben. War es doch in der Erntezeit, als unser Dirigent immer wieder mahnend an das kommende Konzert erinnerte. Jetzt, da der Erfolg zu hören war, durften wir froh und zufrieden heimwärtsfahren- der Stunde harrend, in der uns auch die Leut' daheim im Radio hören durften. Die erste Übertragung fand am 4. August 1947 statt. Da aber gleichzeitig sich auch unser Petrus ein außerordentliches Konzertgewitter anhören wollte, hörten wir kaum etwas von unserer Kunst. Es mag dahingestellt sein, ob es eine böse Absicht von Petrus war, gerade Punkt 7 Uhr ein Gewitter über unseren Häuptern zu dirigieren, vielleicht befürchtete er eine Konkurrenz seines Engelchores? An diesem Abend wurde mancher "Sängerfluch" gesprochen, aber was half es am Ende? Beim zweiten Male war es leider ganz ähnlich".

Rundfunkaufnahmen

Weitere bedeutende Auftritte fanden statt. Am 11. April 1948 wurde ein Frühjahrskonzert in Ichenheim aufgeführt. Dabei wirkten der Männerchor, der gemischte Chor und der Kinderchor des Vereins mit. Dieses Konzert fand so großen Anklang, dass es am 18. April 1948 wiederholt wurde. Beide Male war der "Löwensaal" mit über 450 Zuhörern überfüllt.
Diese Erfolge wirkten sich natürlich auch positiv auf die Vereinskasse aus. Doch diese Freude währte nicht lange. Am 20.6.1948, dem Tag der Währungsreform, schrumpfte das Vermögen auf ein Zehntel zusammen.
Am 10. Oktober 1948 wurde wieder eine Fahrt nach Baden-Baden zu weiteren Rundfunkaufnahmen unternommen.
In Kürzell wurde am 22.1.1949 ein Werbekonzert gegeben, um dem dortigen MGV "Einracht" die Wiedergründung zu erleichtern. Seit dieser Zeit ist der MGV "Eintracht" Kürzell unser Patenverein.
Das hohe gesangliche Niveau des Vereins wurde bei einem Wertungssingen am 15. Mai 1949 in Ichenheim bestätigt. Der Allmannsweierer Verein erhielt die höchste Punktzahl und die Note "sehr gut"
Ein großes Ereignis für das Dorf war im September 1949 die Glockenweihe. Aus diesem Anlass wurde in der Kirche "Das Lied der Glocke" aufgeführt, unter Mitwirkung des Männer-, Frauen- und Kinderchores.
Doch wurde nicht nur bei großen Anlässen gesungen. Immer wieder wurden an Ostern und Weihnachten die Festgottesdienste mitgestaltet, an Hochzeiten von Sängern wurde gesungen, Gartenfeste und Waldfeste abgehalten. Auch dem Vereinsrechner und aktiven Sänger Ernst Reitter wurde zu seiner Bürgermeisterwahl am 23.4.1950 mit einem Ständchen gratuliert. Die Feste der benachbarten Vereine wurden besucht.
Bei der Generalversammlung am 28.1.1951 wurde wieder Johann Karl zum Vereinsvorsitzenden gewählt, gleichzeitig wurde beschlossen, die Amtsdauer des Vorstandes von bisher sechs auf drei Jahre festzusetzen.
Besonders schmerzlich war es für die Sänger, in dieser Generalversammlung zu hören, dass der verdienstvolle und geschätzte Chormeister Hans Prandhoff aus beruflichen Gründen die Leitung des Chores abgeben musste. Es war dies ein herber Verlust. Hans Prandhoff zog nach Merzhausen. Am 28. April 1951 wurde ein großer Abschiedsabend in der "Linde" abgehalten, zu dem sich die Sängerfamilie in großer Schar einfand, um den Abschied gebührend zu begehen.
Wie sich später herausstelle, war es jedoch kein Abschied für immer. Hans Prandhoff hat in den Fünfzigerjahren noch zweimal die Chorleitung übernommen.
Im Januar 1954 entschloss sich der Verein zum Erwerb eines gebrauchten Klaviers.
Die Verbundenheit der örtlichen Vereine wurde gepflegt. Insbesondere mit dem Musikverein ergab sich ein lebhaftes gemeinsames Zusammenwirken. So war es auch selbstverständlich, dass wir beim 25-jährigen Jubiläum des Musikvereins am 3.- 5. Juli 1954 mitwirkten.
Dass die gesanglichen Leistungen nicht nachgelassen hatten, wurde durch eine "musikalische Feierstunde" am 4. Adventssonntag 1954 in der Allmannsweierer Kirche bewiesen. Dem Verein gelang eine sehr gute Darbietung, die durch den Lahrer Bassisten Fritz Krehl bereichert wurde.
Immer wieder stand zwischen 1955 und 1957 die Dirigentenfrage im Mittelpunkt. Hans Prandhoff hatte von 1953 bis 1955 noch einmal die Chorleitung übernommen. Da er nun nach Karlsruhe versetzt wurde, konnte er dieser Aufgabe nicht mehr nachkommen. So musste deshalb oftmals der 1. Vorstand Johann Karl als Vizedirigent fungieren und bei auswärtigen Veranstaltungen den Chor leiten.
Nach längerer Zeit trat der Chor wieder zu einem Konzert auf. Durch den neuen Dirigenten, Musikdirektor Kurt Sussmann, wurde es möglich gemacht, im Pflugsaal in Lahr am 8. Februar 1957 zu einem Kammerchor-Konzert aufzutreten. Der Chor erntete für dieses Konzert viel Beifall und erhielt gute Kritiken. Es wurde mit diesem Auftreten bewiesen, dass auch ein ländlicher Chor durchaus in der Lage ist, vor städtischem Publikum zu bestehen.
Wie ein roter Faden zog sich die Vereinschronik nach dem Krieg die leidige Saalfrage. Die Veranstaltungen des Vereins wurden zuerst im Gasthaus "zum Bock" und danach abwechselnd in den anderen Gasthäusern durchgeführt. Nach dem Wiederaufbau des Vereins nahm die Sängerzahl zu, es gab einen Frauen- und Kinderchor. Die ungenügenden Platzverhältnisse störten die Veranstaltungen doch empfindlich.
Dieses Problem wurde 1957 gelöst. Der VfR Allmannsweier hatte anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums eine Sporthalle gebaut, die am 5. Oktober 1957 eingeweiht wurde. Mit dieser Halle war nun endlich ein Saal vorhanden, der es ermöglichte, die Vereinsveranstaltungen in größerem Rahmen abzuhalten.

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